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Gewalt gegen Frauen

Seit 2004 gibt es eine repräsentative Studie des BMFSFJ Violence of man against woman
(Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)
zum Thema „Gewalt gegen Frauen“ mit folgenden Ergebnissen:

  • 40% der Frauen in Deutschland haben seit ihrem 16. Lebensjahr
    körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt.
  • 42% der Frauen haben psychische Gewalt erlebt,
    z.B. Einschüchterung, Verleumdungen, Drohungen, Psychoterror.
  • Am häufigsten erleben Frauen jedoch Gewalt in ihrem eigenen Zuhause, und
    die Täter sind oft (Ex-)Ehemänner, (Ex-)Partner oder Freunde.
  • Frauen in Trennungs- oder Scheidungssituationen sind besonders gefährdet,
    Opfer von Gewalt durch den (Ex-)Partner zu werden.

Gemäß einer aktuellen Statistik des BKA (Bundeskriminalamt) über „Häusliche Gewalt“ wurden im Jahr 2017 in Deutschland …

  • 114.000 Frauen von ihrem (Ex-)Partner misshandelt, bedroht, gestalkt!
  • jeden Tag (!) 46 Frauen Opfer ihres (Ex-)Partners mit einer gefährlichen, schweren Körperverletzung oder einer solchen mit Todesfolge!
  • jeden Tag (!) acht Frauen von ihrem (Ex-)Partner vergewaltigt oder sexuell genötigt!
  • 147 Frauen von ihrem (Ex-)Partner getötet, also an jedem dritten Tag eine Frau!

Dabei ist zu beachten, dass dies nur die offiziellen Zahlen sind, also nur die Fälle, die angezeigt wurden!
Die „Dunkelziffer“ der Fälle, die aus Scham oder Angst nicht angezeigt wurden, ist vermutlich viel größer!
Und die Täter kommen aus allen Berufs- und Bildungs-Schichten!

Der böse Unbekannte ist es selten!

Die Polizeiliche Kriminalstatistik belegt, dass …

  • … ca. 66 % aller angezeigten Vergewaltigungen im privaten Raum (z.B. Wohnung des Opfers oder des Täters) begangen wurden.
  • … ca. 75 % aller angezeigten Vergewaltigungen von Tätern begangen wurden, die dem Opfer vorher schon bekannt waren, wie z.B.:
  • Der Vorgesetzte am Arbeitsplatz, der seine Machtposition ausnutzt.
  • Der nette, unscheinbare Kollege, der immer unterschätzt wurde.
  • Der „gute, alte Freund“, der seine lang ersehnte Chance ergreift.
  • Der höfliche und charmante neue Bekannte, der eine gute Gelegenheit sieht.
  • Der Verwandte, der meint, sich schon mal etwas raus nehmen zu können.
  • Der Partner/Ehemann, der auf „sein Recht“ pocht.
  • Der Ex-Partner/Ex-Ehemann, der glaubt, noch „ein Recht“ zu haben.

Und das Handeln dieser Triebtäter ist oft langfristig geplant und wohl durchdacht!

Überwiegend männliche Gewalttäter

Gewalt und Belästigung gingen häufiger von Männern als von Frauen aus
(71 % nur männliche, 19 % männliche und weibliche, 10 % nur weibliche Täter).
Bei sexueller Gewalt und Gewalt in Paarbeziehungen wurden Männer zu 99 % als Täter genannt.

Gewalt wird als solche nicht mehr erkannt!

Gewalt gegen Frauen (und Kinder) ist ein gesellschaftliches Problem.
Die Ursache dafür liegt u .a. in der strukturellen Benachteiligung von Frauen, womit ein Klima geschaffen wird, in dem Gewalt oft verharmlost und als solche gar nicht mehr erkannt wird, weil sie „alltäglich“ geworden ist.
Frauen haben nicht gelernt, sich gegen die alltäglichen Übergriffe zu wehren, da diese oft subtil ablaufen.
In vielen Fällen geht es hierbei (noch) nicht um körperliche Gewalttätigkeiten.
Gewalt gegen eine Frau beginnt nicht erst mit dem körperlichen Kontakt.
Gewalt beginnt schon im Vorfeld! 

Täter testen ihre Opfer!Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz im Büro

Dies kann z.B. der Fremde sein, der zunächst nur nach dem Weg fragt, oder der Chef, der immer merkwürdigere Aufgaben verlangt, um nach und nach körperlich zudringlicher zu werden.
Es sind anscheinend kleine und „unwichtige” Geschehnisse, wie z.B. „zufällige” unerlaubte Berührungen, das Erzählen frauenfeindlicher (rassistischer) Witze, die von der Umwelt (und auch von der Betroffenen selbst!) als Bagatelle abgetan werden.
Frauen lernen sehr früh zu verdrängen, dass sie solche Grenz-Überschreitungen als unangenehm und verletzend empfinden.
„War ja eigentlich nicht so schlimm”,
„Ist ja eigentlich nichts passiert”,
„Der hat das bestimmt nicht so gemeint” …
… das sind Sätze, die dieses Verdrängen deutlich machen.
Gewalt gegen Frauen beginnt also oft schon mit scheinbar harmlosen Grenzüberschreitungen und passiert selten plötzlich und unerwartet! 

Anerzogenes Opfer-Verhalten macht Frauen wehrlos!

Die Intuition hilft und warnt zwar Frauen in kritischen Situationen frühzeitig.
Allerdings wird gerade Frauen im Zuge ihrer Sozialisation beigebracht, nicht auf ihre „innere Stimme” zu hören, sondern den „Verstand” zu benutzen.
Das weibliche Ideal unserer Gesellschaft ist nach wie vor die anständige, nette und immer hilfsbereite Frau, die nur geliebt und geschätzt wird, wenn sie nicht aufsässig wird und nicht unangenehm auffällt.
Sätze wie „Stell dich nicht so an!”, oder „Das war doch nichts — zicke deswegen nicht so rum!” …
… bilden die Grundlage dafür, dass Frauen einer Attacke nicht mehr rechtzeitig etwas entgegensetzen.
Dieses anerzogene Opfer-Verhalten verursacht bei der Betroffenen jedoch ein unangenehmes Gefühl, verunsichert sie und macht sie unfähig, sich in eskalierenden Situationen deutlich zur Wehr zu setzen.
Somit wird die wichtigste Voraussetzung einer effektiven Selbstbehauptung und Selbstverteidigung außer Kraft gesetzt:
„Höre auf deine innere Stimme und handele sofort, wenn Grenzen überschritten werden!”

Bedingtes Einverständnis – die selbst gestellte Falle!

Da verbale oder körperliche Angriffe gegen eine Frau meistens von Personen kommen, von denen frau “so etwas” nie erwartet hätte, weil sie vorher noch geglaubt hatte, den Mann “gut genug” zu kennen, ist sie durch so einen Angriff oft total überrascht!
Wegen dieses Überraschungseffekts reagiert frau wesentlich langsamer und weicher als bei einem Fremden auf der Straße.
Diese langsamere – oft zu späte – Reaktion wird von manchen Männern dann jedoch als scheinbares Einverständnis interpretiert.
Und bei einer evtl. Gerichtsverhandlung muss frau sich dieses “bedingte Einverständnis” schlimmstenfalls sogar noch als Mitverschulden anrechnen lassen, was dann zu einer milderen Bestrafung des Täters oder sogar zu seinem Freispruch führen kann!
Daher ist es besonders für eine Frau sehr wichtig, die Grenzen, die Andere ihr gegenüber einhalten sollten, zu kennen, zu bewachen und – wenn notwendig – zu verteidigen. 

Wo ist der gefährlichste Ort für eine Frau?

Der gefährlichste Ort für Frauen (und Kinder) ist tatsächlich das eigene Zuhause.Violence of man against woman
Und in 78 % der Fälle sind es die Männer, die zuschlagen!
Auch nach Darstellung von „Terre des Femmes“ (Frauenrechtsorganisation mit Sitz in Tübingen) wird jede vierte Frau in ihrem Leben irgendwann Opfer häuslicher Gewalt. 

Zuhause werden Frauen bedroht durch …

  • … soziale Gewalt
    (Ungleichbehandlung, Ausgrenzung, Bevormundung, Unterdrückung, Isolation).
  • … ökonomische Gewalt
    (finanzielle Mittel beschränken, Verbot oder Zwang, berufstätig zu sein).
  • … psychische Gewalt
    (Kontrolle, Beschimpfungen, Schwächen anprangern und ausnutzen, Einschüchterungen, Drohungen, Kinder als Druckmittel).
  • … physische Gewalt
    (Schlagen, Treten, Würgen, Einsperren, Essens-Entzug, Verwendung von Waffen, in Einzelfällen auch Mord).
  • … sexuelle Gewalt
    (Belästigung, Nötigung, Zwang zu sexuellen Handlungen, Missbrauch, Vergewaltigung, auch aufgezwängte Küsse).

Das gilt für alle Schichten. Einkommen und Bildung sind dabei egal!
Und ein Mann, der seine Frau schlägt oder vergewaltigt, wird dies immer wieder tun!
Diesbezüglich erliegen Frauen oft einer Illusion! 

Frauen müssen Selbstverteidigung lernen!IMG_1085a

Immer wieder wird in bundesweiten Aktion auch darüber informiert, dass es unter Mitwirkung verschiedener „Opferhilfe-Organisationen“ Möglichkeiten gibt, wie betroffenen Frauen geholfen werden kann.
Diese „Opferhilfe“ ist für die betroffenen Frauen sehr sinnvoll und notwendig!
Bei diesen Informationen bemerke ich jedoch immer Folgendes:
Es wird immer nur darüber geredet oder geschrieben, was frau tun kann, wenn etwas passiert ist!
Damit wird nach meiner Auffassung die Opferrolle der Frauen noch betont, anstatt die Frauen anzuregen, sich selbst aus dieser Opferrolle zu befreien!
Und diese Befreiung findet nicht statt, wenn eine Frau nach einer Gewalterfahrung die Telefon-Nr. einer Hilfs-Organisation wählt!
Zwar bekommt sie dort die dringend notwendige Hilfe, die sie jetzt braucht und daher sind solche Einrichtungen sehr wichtig und wertvoll und den engagierten Mitarbeitern kann nicht genug gedankt werden!
Trotzdem bleibt die Frau auch weiterhin ein Opfer!
Viele der Frauen, die gewaltsam attackiert wurden, gaben hinterher zu Protokoll:
„Als er mich angegriffen hat, wusste ich nicht, was ich tun soll!“
Damit bestätigen diese Frauen jedenfalls, wie notwendig es gewesen wäre, VORHER zu lernen, sich zu schützen, sich zu verteidigen, sich zu behaupten und somit sich selbst mit eigener Kraft aus der Opferrolle zu befreien!
Also Selbstverteidigung lernen!
Dafür gibt es in ganz Deutschland jedenfalls genügend Möglichkeiten, aus denen frau ihrer Mentalität und Neigung entsprechend auswählen kann! Sie werden nur zu wenig genutzt!
Ich sehe das sowohl an meinen Kursen als auch bei meinen Kollegen in div. Kampfsportvereinen.
Nach der denkwürdigen Silvesternacht 2016 in Köln waren meine Kurse ausgebucht, die VHS Forchheim musste sogar zusätzliche Kurs-Termine auflegen!
Ein paar Monate später war der „Schock“ bei den Frauen offenbar schon wieder vorbei.
Daher meine dringende Mahnung an alle Frauen:
Die Gefahr erkennen (statt sie zu ignorieren und dann zu jammern, wenn etwas passiert ist!) und schon vorher wenigstens den Teil der (Eigen-)Verantwortung übernehmen, der ihnen zusteht, und etwas dafür tun!

Selbstverteidigung mit Wing Tsun

Mein Unterricht in Selbstverteidigung basiert auf „Wing Tsun„.
Wing Tsun ist eine Kampfkunst, die vor ca. 300 Jahren von Frauen für Frauen entwickelt wurde.
Hier kann frau lernen, sich gegen körperliche Angriffe wirksam zu schützen und zu verteidigen.
Mit den gelernten Kenntnissen über Selbstverteidigung wächst ihr Selbstbewusstsein.
Das daraus wachsende Selbstvertrauen und ihre damit entstehende Selbstsicherheit bewirken, dass frau seltener in unangenehme Situationen gerät, oder dass sie solche Situationen durch Selbstbehauptung besser bewältigt.

Von Frau zu Frau

Bei meinen Kursen für Frauen werde ich unterstützt von Michaela, meiner Frau. Michaela lernt Wing Tsun seit 2009.
Aus der Perspektive einer Frau erklärt und zeigt sie den Kurs-Teilnehmerinnen deutlich die Besonderheiten bei Angriffen gegen eine Frau.
Bei Michaela wird klar erkennbar, dass Wing Tsun von Frauen für Frauen entwickelt wurde.

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